ESA startet Weltraum-Müll-Beseitigung

Die ESA hat dem Schweizer Unternehmen ClearSpace den Auftrag erteilt, eine Art Abschlepprakete zu entwickeln, die aufgegebene Raumfahrzeuge bzw. Reste davon wie ausgebrannte Raketenstufen aus gefährlichen Umlaufbahnen zu entfernen. „Dies ist der richtige Zeitpunkt für eine solche Mission", sagt Luc Piguet, Gründer und CEO von ClearSpace. „Das Thema Weltraummüll ist dringender als je zuvor. Heute haben wir fast 2000 lebende Satelliten im Weltraum und mehr als 3000 ausgefallene.
„Und in den kommenden Jahren wird die Anzahl der Satelliten um eine Größenordnung zunehmen. Mehrere Mega-Konstellationen, bestehend aus Hunderten oder sogar Tausenden von Satelliten, sind für eine erdnahe Umlaufbahn geplant, um Telekommunikations- und Überwachungsdienste mit großer Reichweite und geringer Latenz bereitzustellen. Es ist klar, dass ein Abschleppwagen ausgefallene Satelliten aus dieser stark frequentierten Region entfernen muss.“

Ziel des neuen ESA-Programms für Weltraumsicherheit ist es, einen aktiven Beitrag zur Säuberung des Weltraums zu leisten und gleichzeitig die Technologien zu demonstrieren, die für die Beseitigung von Abfällen erforderlich sind.
„Stellen Sie sich vor, wie gefährlich das Segeln auf hoher See wäre, wenn alle in der Geschichte verlorenen Schiffe noch auf dem Wasser treiben würden“, sagt ESA-Generaldirektor Jan Wörner. Die ClearSpace-1-Mission zielt auf die obere Stufe der Vespa (Vega Secondary Payload Adapter) ab, die sich nach dem zweiten Flug des ESA-Vega-Trägers im Jahr 2013 in einer Umlaufbahn von etwa 800 km auf 660 km Höhe befindet. Die Vespa hat eine Masse von 100 kg. Sie ähnelt einem kleinen Satelliten in der Größe, ist jedoch aufgrund ihrer relativ einfachen Form und ihrer robusten Konstruktion ein geeignetes erstes Ziel, bevor sie durch Folgemissionen zu größeren, herausfordernderen Eroberungen vordringt - schließlich einschließlich der Erfassung mehrerer Objekte.

Der ClearSpace-1 „Chaser“ wird zur Inbetriebnahme und für kritische Tests in eine Umlaufbahn von weniger als 500 km befördert, bevor er für ein Rendezvous und die Erfassung mit einem Quartett von Roboterarmen unter Aufsicht der ESA in die Zielumlaufbahn gebracht wird. Der kombinierte Chaser plus Vespa wird dann desorbiert, um in der Atmosphäre zu verbrennen.

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Bild: ESA